Hip-Hop-Wettbewerb für mehr Toleranz

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Aachen. "Aachen Ost - Was geht?" heißt das Projekt der kirchlichen Jugendarbeit im Ostviertel der Stadt. Richard Okon, Leiter der Offenen Tür Josefshaus, berichtet: "Im letzten halben Jahr beteiligten sich über 100 Kinder und Jugendliche am Projekt, mit dem wir ihre persönlichen und sozialen Kompetenzen förderten".

Im Rahmen verschiedener Aktivitäten fand nun ein Hip-Hop-Wettbewerb statt. Am 17. November betraten neun junge Rapper und Rapperinnen zwischen 16 und 28 Jahren die Bühne des Josefshauses. In den Wochen zuvor hatten sie eigene Songs geschrieben und im Tonstudio aufgenommen. Ihre Songs sollten dazu beitragen, unterschiedliche Menschen und Kulturen besser verstehen und achten zu können. Der Umkehrschluss war nicht selbstverständlich, sondern musste mit Nachdruck eingefordert werden: Die Songs durften keine Beleidigungen und Diskriminierungen enthalten und erst recht nicht zu Gewalt oder Verbrechen aufrufen. Das ausgeschriebene Preisgeld von 600 Euro für die ersten drei Plätze sollte es möglich machen.

Junge Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln stellten sich den Herausforderungen des Wettbewerbs. Foto: Gerhard Nellessen

Die Idee ging auf. Die Bühne war hergerichtet, und die jungen Menschen gaben alles. Mit ihren abwechslungsreichen Songs, ihrer erstaunlichen Bühnenpräsenz und ihren mutigen Texten zogen sie das 150köpfige Publikum in ihren Bann. Sie schafften, was die Veranstalter vorher nur hoffen konnten. Die Rapper mit türkischem, afghanischen, kongolesischen, ägyptischen, polnischen und griechischen Wurzeln brachten nicht nur ihre mitgebrachten Freunde in Schwung. Sie überzeugten auch die Anhänger ihrer Konkurrenten und wurden von allen mit großem Applaus gefeiert. "So etwas habe ich noch nicht erlebt, und ich war schon bei vielen Rap-Contests dabei", bedankte sich Elias Tomekpe, Mitglied der vierköpfigen Jury, bei den Jugendlichen auf und vor der Bühne.

Gerührt von den vielen Gänsehautmomenten, erhöhten die Veranstalter spontan den Umfang der Preise. Neben den Hauptpreisen wurden auch die anderen Platzierungen noch mit einem Anerkennungsgeld bedacht. Damit nicht genug, werden die Songs in Kürze auf 500 CDs gebrannt und den Jugendlichen geschenkt.

Der 22jährige Emad Amiri gewann den Wettbewerb. "Emmos" Heimatland ist Afghanistan. Foto: Gerhard Nellessen

Der 22jährige Emad Amiri, mit Künstlernamen "Emmo", gewann den Contest. Zum Ausklang des Abends betrat er ein zweites Mal die Bühne und gab den Jugendlichen seine preisgekrönten Gedanken mit auf den Weg: "Ganz egal, woher du kommst, wie du aussiehst und sprichst, das soll heute nicht mehr wichtig sein. Hauptsache ist doch, dass jeder Mensch gleich ist. So, wie es dir geht, geht es jedem, Bruder, weil das Leben hier nicht leicht ist."

Unterstützt wurde das Projekt durch die Gelder des Programms "Toleranz fördern - Kompetenz stärken" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Koordinierungsstelle "Lokaler Aktionsplan Aachen" hat die Gelder vermittelt und hält auch für andere Projektideen noch Fördermittel bereit.

Gerhard Nellessen