"Kategorie C": Rechtslastige Band in Aachen?

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Aachen. Die rechtslastige Musikgruppe „Kategorie C“ (KC) aus Bremen soll am Freitag, 16. November, in der Region Aachen auftreten. Der Auftritt wird von der Band nicht offiziell beworben, er soll offenbar im Rahmen einer „Jahresabschlussfeier“ der Aachener Hooligan-Gruppe „Westwall Aachen“ im kleineren Kreis stattfinden. Die Polizei bereitet sich auf einen Einsatz vor und will das Konzert nach Möglichkeit verhindern. Antifaschistische Gruppen rufen unterdessen zu einer Demonstration gegen die Veranstaltung auf.

Schon am 8. November hatte ein User in einem Internetforum für Fußballfans ironisch verlautbaren lassen: „Kategorie C tritt wohl bei der Jahresversammlung von Westwall auf, Yeah[,] Hirn trifft Hirn[.]“ Kurz zuvor hatten Vertreter der Hooligan-Gruppe, unter anderem über soziale Netzwerke darauf hingewiesen, dass die Bremer Band Mitte November in Aachen auftreten wird. Einen Ort für die „Jahresabschlussfeier“ erfahren jedoch nur vertrauenswürdige Personen auf Anfrage. So will man verhindern, dass etwa die Polizei gegen das Treffen vorgeht.

Die Hooligan-Band KC, gelegentlich auch „Hungrige Wölfe“ genannt, hatte in der Vergangenheit wiederholt Konzerte angekündigt oder gespielt, die von Vertretern aus dem rechtsextremen Spektrum mitorganisiert wurden. Auch im August 2007 hatten Neonazis aus dem Raum Aachen einen Auftritt von KC mitorganisiert. Mangels Räumlichkeiten vor Ort musste der Auftritt jedoch ins niederländische Nuth bei Heerlen ausweichen. Zum Saal des teils konspirativ vorbereiteten Konzertes waren anreisende Hooligans und Rechtsextremisten unter anderem über so genannte Schleusungspunkte in Aachen gelotst worden.

Der Name der Musikgruppe ist an die polizeiliche Bezeichnung für gewaltbereite Fußball-Fans angelehnt. Bundesweit wurden in den vergangenen Jahren Konzerte von KC, die selbst behaupten, keine rechtsextreme Band zu sein, wegen einer Nähe zur rechten Szene mehrfach verboten oder abgesagt. Bisher liegen der Polizei in Aachen indes noch „keine konkreten Erkenntnisse vor, dass das Konzert im Bereich der Städteregion stattfinden soll.“ Dies teilte die Behörde Medienvertreten auf Anfrage mit. Es sei jedoch „erklärte Absicht, alle rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen, das Konzert im hiesigen Raum nicht stattfinden zu lassen.“ Deswegen steht die Aachener Polizei auch in engem Kontakt mit den Kommunen der Region.

Schon in der Vergangenheit hatten ähnlich angekündigte Konzerte des umstrittenen Quartetts im benachbarten Ausland stattgefunden. So fand etwa ein 2010 für den „Westruhrpott bei Aachen“ angekündigtes Konzert von KC im nordwestlich von Arnheim und Nimwegen gelegenen niederländischen Barneveld auf dem Anwesen eines Rockerclubs statt – also rund 220 Kilometer von Aachen entfernt. Ein im März 2012 für Aachen angekündigtes Konzert von KC (siehe Bericht http://www.lap-aachen.de/cms/index.php/aktuell/meldungen/39-rechtslastige-band-im-raum-aachen) fand im belgischen Genk statt – rund 60 Kilometer entfernt.

Die Hooligan-Gruppe „Westwall Aachen“ ist seit geraumer Zeit aktiv. Ihr Namen erinnert an den Westwall, eine Verteidigungslinie im Westen Nazideutschlands, deren Bau Adolf Hitler angeordnet hatte. Der Namen der Hooligans soll aber „nur“ symbolisieren, dass die Gruppe bei den auf Waldlichtungen oder Wiesen ausgetragenen Schlägereien mit anderen Hooligan-Gruppen aus ganz Deutschland als unüberwindbar gilt. Solche „Matches“ zwischen Hooligan-Gruppen werden zuvor konspirativ abgesprochen, man tritt in gleichstarken Personengruppen gegeneinander an und prügelt sich so lange, bis der Gegner am Boden liegt oder aufgibt.

„Westwall Aachen“ ist zwar nicht Teil der rechtsextremen Szene. Unter den Mitgliedern der Gruppe oder in deren Umfeld befinden sich auch Migranten, teilweise aber eben auch Personen, die der Neonazi-Szene oder der unterdessen verbotenen Neonazi-Gruppe „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) angehört haben und weiter Kontakte zu „Kameraden“ pflegen. Überdies bestehen enge Kontakte zwischen „Westwall Aachen“ und den „Karlsbande Ultras“ (KBU). Alemannia Aachen hatte gegen die in Teilen rechtslastigen KBU ein Bannerverbot auf dem Tivoli ausgesprochen (siehe Bericht http://www.lap-aachen.de/cms/index.php/aktuell/meldungen/64-auftrittsverbot-fuer-karlsbande). Aufgefallen waren Mitglieder der KBU und Personen aus deren Umfeld u.a. durch Angriffe auf die antirassistischen „Aachen Ultras ´99“ (ACU) (siehe Bericht http://www.lap-aachen.de/cms/index.php/aktuell/meldungen/58-alemannia-zeit-des-dialogs-mit-rechtsextremen-fans-ist-vorbei).

Anlässlich der Konzert-Ankündigung von „Kategorie C“ rufen antifaschistische Gruppen zu einer Demonstration gegen das Treffen auf. Sie wollen sich um 19 Uhr vor dem linksalternativen „Autonomen Zentrum“ (AZ) nahe dem Hauptbahnhof versammeln. Angemeldet ist bei den Behörden ein Protestzug durch die Aachener Innenstadt. (mik)