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Rechtsextremer Aufmarsch in Linnich - Protest formiert sich

Linnich. Am Sonntag soll in Linnich (Kreis Düren) mit verschiedenen Aktionen für Toleranz sowie für eine bunte und vielfältige Gesellschaft demonstriert werden. Unter dem Motto „Wir sind Linnich! Nazis sind es nicht!“ ruft ein breites Bündnis am Kirchplatz zu einer Kundgebung auf. Auch antifaschistische Gruppen rufen zu Protesten auf. Anlass ist ein angekündigter rechtsextremer Aufmarsch.

Im November 2015 hatten die durch NPD, Rechtsextremisten und Hooligans geprägten „Bürger stehen auf“ einen ersten Aufmarsch in der Kleinstadt organisiert. Diese hatten zunächst versucht, sich als „besorgte Bürger“ zu präsentieren. Als der durch Redner und Anhänger aus dem rechtsextremen Lager geprägte Aufmarsch dann stattfand, stellte sich zugleich das organisatorisch wirkende Trio hinter den „Bürgern“ der Öffentlichkeit vor: Ein NPD-Ratsmann aus Erkelenz, zugleich Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Mönchengladbach, ein rechtsradikaler Hooligan, der unlängst das Konzert einer rechten Hooligan-Band in Heinsberg mit organisiert hat sowie ein Linnicher, der sich unterdessen offen zu seiner rechtsextremen Gesinnung bekennt und auch an verschiedenen neonazistischen Aufmärschen in NRW teilgenommen hat. Im Frühjahr 2016 hielten die „Bürger“ in Erkelenz einen zweiten Aufmarsch ab. Publikum und Redner machten erneut den rassistischen und rechtsextremen Charakter der vermeintlich „besorgten Bürger“ erkennbar.

Am Sonntag sollen nun laut Ankündigung zwei NPD-Politikerinnen aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz sowie ein Funktionär der offen neonazistischen Splitterpartei „Die Rechte“ aus Sachsen als Redner fungieren. Diesen Aufmarsch hatten die „Bürger“ zuerst schon im Mai  geplant, sagten ihn aber später unter Angaben fadenscheiniger Gründe wieder ab. Begleitet wurde und wird die Mobilisierung für alle drei Aufmärsche unter anderem durch aggressive, rassistische und asylfeindliche Propaganda in den Sozialen Medien, teilweise geprägt durch Verzerrungen, Halbwahrheiten, Lügen oder Horrorgeschichten über Asylsuchende und Migranten.

Schon bei den beiden letzten Aufmärschen in Linnich und Erkelenz gab es starke Gegenproteste sowohl von bürgerlichen Bündnissen, als auch von Antifagruppen. In ähnlicher Form soll am Sonntag in Linnich wieder ein Zeichen gegen Rechts und für Toleranz gesetzt werden. Unter dem Motto „Wir sind Linnich! Nazis sind es nicht!“ findet von 13 bis 18 Uhr auf dem Kirchplatz eine Kundgebung mit Kulturbeiträgen und Reden statt. Unter dem Motto „Schotten dicht!“ werden die Linnicher aufgerufen,  sich nicht dem rechten Aufzug anzuschließen sowie sich nicht als Zuschauer an den Zugweg stellen und  stattdessen Rollos oder Jalousien als Zeichen gegen Rechts zu schließen.

Antifaschistische Gruppen rufen zu spontanen Gegenprotesten und eine Demonstration ab 10.30 Uhr am Bahnhof in Linnich auf. Die „Initiative gegen rechte Aktivitäten im Kreis Heinsberg“ (IgrA Kreis HS) erinnerte in einem Aufruf zu diesen Gegenprotesten daran, dass die „Bürger“ keineswegs einem friedlichen Spektrum zuzurechnen seien: „Das Fronttransparent der als bürgerlich getarnten neonazistischen Organisation [war] Anfang Januar in erster Reihe einer Pegida-Demonstration in Köln, die bereits nach wenigen Metern eskalierte und durch Wasserwerfereinsatz zurückgedrängt werden musste, nachdem Böller und Flaschen auf Polizeikräfte geworfen wurden.“  (mik)