Rechtsextreme treffen sich bei Aachener Burschenschaft

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Aachen. Der Stadtverband Aachen der „Alternative für Deutschland“ (AfD) nähert sich immer weiter dem offenen Rechtsextremismus an. Für den kommenden Montag lädt die AfD Aachen zu einem Vortragsabend ins Haus der weit rechtsaußen stehenden Burschenschaft „Libertas Brünn“ ein. Neben Ratsmann Markus Mohr soll der Chefredakteur der extrem rechten Zeitschrift „Zuerst“, Manuel Ochsenreiter, sprechen.

„Zuerst“ versteht sich als „Deutsches Nachrichtenmagazin“ und gilt in der völkisch-nationalistischen bis rechtsextremen Szene als eine Art „Spiegel“ von Rechtsaußen. Mohr hatte dem Magazin für die erste Ausgabe 2016 ein zweiseitiges Interview gegeben. Bereits im Mai 2015 hatte Mohr überdies einen Vortrag bei den „Liberten“ gehalten, den später via Facebook auch Vertreter der Neonazi-Partei „Die Rechte“ (DR) sowie Mitglieder des inoffiziellen Nachfolgeprojekts der verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) namens „Syndikat 52“ lobten. Beide nahezu gleichlautenden Postings der Neonazis über den „lohnenswerten Vortragsabend“ und einen „interessante[n] Austausch von verschiedenen Perspektiven“, die „das Ambiente […] belebte[n]“, verschwanden aber recht schnell wieder aus dem Internet. 

Die „Libertas Brünn“ gilt als die in Aachen am weitesten rechts stehende Burschenschaft mit völkisch-nationalistischer und geschichtsrevisionistischer Prägung. Rund um die Jahrtausendwende gastierten als Referenten mehrfach hochrangige Vertreter aus dem Umfeld der NPD und der Neonaziszene bei den „Liberten“. 2010 war ein Politiker der rechtspopulistischen FPÖ bei der „Libertas“ angekündigt, 2009 sollte der Szene-Anwalt Björn Clemens aus Düsseldorf dort auftreten. Die AfD gibt als Veranstaltungsort zwar nicht das Haus der „Liberten“ oder deren Namen an, nennt in ihrer Einladung allerdings die Anschrift der "Libertas Brünn" am Muffeter Weg. 

Ochsenreiter soll am Montag u.a. über den „Frieden mit Russland“ sprechen, denn laut AfD-Aachen gefährde die Kriegstreiberei der USA […] den Frieden zwischen Europa und Russland“. Mohr gibt als Thema „Warum Aachen seine russlanddeutschen Bürger braucht“ an. Bezogen auf die Vorfälle an Silvester in Köln verbreitet die AfD dazu: „Nach Sylvester waren es vor allem mutige russlanddeutsche Bürger die auf die Straße gingen und den Schutz unserer Frauen forderten.“ Dies stimmt indes nur bedingt, denn verschiedene, bisweilen ominöse russlanddeutsche Gruppen und Vereinigungen vom oft rechten Rand waren erst ab dem 22. bzw. 23. Januar auf die Straße gegangen, weil angeblich Asylbewerber ein russlanddeutsches Mädchen vergewaltigt hätten. Dieser "Fall" stellte sich später als Lüge heraus, propagandistisch ausgeschlachtet u.a. durch russische Medien und rechtsextreme Vereinigungen von Russlanddeutschen. In den vergangenen Jahren hatten u.a. die NPD als auch „Pro NRW“ Russlanddeutsche als Zielgruppe und Wähler umworben, weil diese „Volksgenossen“ seien, ihr „Deutschtum“ offen leben würden und gegen die multikulturelle Einwanderungsgesellschaft eingestellt seien. 

Nach dem Zerfall der AfD-Ratsgruppe in Aachen haben Mohr und der ehemalige stellvertretende Vorsitzende der Spiltterpartei „Pro NRW“, Wolfgang Palm, unterdessen im Rat eine neue Gruppe gebildet. (mik)