Termine

Keine aktuellen Veranstaltungen.

Neonazis: Bürgerkriegsrhetorik bei Kundgebung des Arminiusbundes

Düren/Hürtgenwald/Region. Etwa 50 – 60 Personen nahmen heute in Düren an einer Kundgebung des neonazistischen „Arminiusbundes“ teil. Etwa zweieinhalb Mal soviele Menschen protestierten gegen die Versammlung auf dem Kaiserplatz.

Es wäre zum Lachen, wäre die verbreitete Ideologie nicht so menschenverachtend: Deutlich weniger Teilnehmer/innen als angekündigt – der Veranstalter hatte mit 100 Personen gerechnet – haben sich heute auf dem Dürener Kaiserplatz zu einer skurilen Veranstaltung versammelt. Aufgerufen hatte die Kleinstpartei „Arminiusbund“, die sich nahezu ausnahmslos aus neonazistischen „Russlanddeutschen“ rekrutiert. Durch die Versammlung führte in gebrochenem, teils schwer verständlichem Deutsch der Bundesvorsitzende des „Arminiusbundes“, Johann Thießen aus der Gemeinde Hürtgenwald. Mit völkisch-rassistischen Hetzreden, die auch vor leicht zu durchschauenden Lügen nicht halt machten, wurde Stimmung gegen Geflüchtete gemacht. Die Bürgerkriegsrhetorik der Redner (es sprachen nur Männer, obwohl es vorgeblich um den Schutz von Frauen vor Vergewaltigungen ging) war duchsetzt von dumpfen Hass: „Multi-Kulti-Geschmeiß“ und „Völkveräterin Merkel“ waren u.a. Schlagworte, beschworen wurde das "deutsche Volk". Thießen nutzte Lügen für seine Propganda und behauptete etwa, dass Deutschland das dichtbesiedelste Land in Europa sei und deshalb keine Flüchtlinge mehr aufnehmen könne. Tatsächlich ist die Bevölkerungsdichte in Malta, den Niederlanden, Belgien und Großbritannien deutlich höher als in Deutschland.

Johann Thießen, Bundesvorsitzender des "Arminiusbundes". Foto: Dominik Clemens

Ein Teil der Teilnehmer/innen dieser absurden Veranstaltung war von weither angereist, etwa aus Hattingen oder dem Oberbergischen Kreis. Auch verurteilte Straftäter aus der 2012 verbotenen neonazistischen „Kameradschaft Aachener Land“ waren im Publikum. Neben Thießen sprachen u.a. Heinrich Daub, Redakteur der rechtsextremen Zeitschrift „Ost-West-Panorama“ und Hans-Jochen Voß, ein NPD-Funktionär aus dem Ruhrgebiet.

Gegenprotest auf dem Kaiserplatz: Foto: Dominik Clemens

Protest und Gegenprotest verliefen weitgehend ohne Zwischenfälle, mindestens ein Gegendemonstrant wurde von der stark vertretenen Polizei in Gewahrsam genommen. Derweil forderten die Migrant/innen („Russlandeutsche“) „Grenzen dicht“ - Realsatire, wenn es nicht so abscheulich und traurig wäre. Gut, dass der „Arminusbund“ und seine Anhänger/innen nur eine randständige, isolierte Erscheinung in der Community der „Russlanddeutschen“ sind. (dc)