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Protest gegen NPD-Minikundgebung

Geilenkirchen. Rund 300 Menschen haben am Samstag in Geilenkirchen (Kreis Heinsberg) gegen eine zwölfköpfige Minikundgebung der NPD demonstriert. Unter dem Deckmantel der Bürgermeisterwahl hetzten die Rechtsextremen überwiegend ohne lokalen Bezug gegen Asylsuchende, Migranten, die USA und Muslime. NPD-Landeschef Claus Cremer fand kurz danach via Facebook, er und seine „Kameraden“ hätten den „Einsatz […] erfolgreich absolviert“. Da will man sich nicht vorstellen müssen, wie eine Aktion bei der NPD scheitern müsste, damit Cremer sich einen Misserfolg auch eingestehen würde.

Angereist waren die NPD-Kader – soweit ersichtlich ohne jegliche Unterstützung lokaler Parteikräfte und -kader – aus Mönchengladbach, aus Viersen, Duisburg, Meerbusch, dem Rhein-Sieg-Kreis, Essen und Bochum. Anmelder der Aktion war laut Polizei Marcel Haliti – laut NPD bekleidet der Essener im Landesvorstand das Amt des „Landesorganisationsleiters“. Als Redner fungierten Haliti, Cremer (Bochum), die stellvertretende Landesvorsitzende und „Amtsleiter [sic!] Recht“ Ariane Meise (Siegburg) und eine junge Frau vom Niederrhein, die seit Monaten bei NPD-Kundgebungen im Rheinland unter dem Deckmantel des Redenhaltens Passagen aus NPD-Flugblättern doziert.

Anwesend waren auch das NPD-Landesvorstandsmitglied und die laut ihrer Partei als „Landeschulungsleiterin“ fungierende Melanie Händelkes (Duisburg), sowie aus Viersen der dortige Bürgermeisterkandidat Siegfried Martin und der NPD-Vertreter aus dem Kreistag Viersen, Gunter Kretzschmann. Insgesamt gastierten in Geilenkirchen immerhin vier von zehn Mitgliedern des NPD-NRW-Landesvorstandes. Was schmeichelhaft für die Kleinstadt anmuten könnte, ist letztlich nur der Beleg dafür, wie wenig Aktivisten die NPD in NRW noch mobilisieren kann, sodass schon Teile des Landesvorstandes persönlich  in ihnen völlig fremden Kommunen zum Bürgermeisterwahlkampf anreisen müssen.

Ebenso bürger- und bevölkerungsfern kandidiert bei den Bürgermeisterwahlen am 13. September in Geilenkirchen ein NPD-Kandidat für das Amt des Verwaltungschefs: Bernd Buse aus Meerbusch. Jener Kandidat hielt am Samstag auf dem Markt in Geilenkirchen keine Rede für die Handvoll möglicherweise interessierter Zaungäste der NPD, die sich auf den umliegenden Bänken niedergelassen hatten. Derweil rätselten Medienvertreter, einige der rund 40 Polizisten und Gegendemonstranten – darunter Vertreter der politischen Parteien, Initiativen, Religionsgemeinschaften und Verbänden aus dem Kreisgebiet sowie Landtagsabgeordnete aus der Region –, ob Buse überhaupt die rund 60 Kilometer lange Anreise angetreten habe. Ihn kennt einfach niemand im Ort.

Ein Häuflein NPD-Aktvistien stand rund 300 Gegendemonstrant/innen gegenüber. Foto: M. Klarmann

Akustisch verstanden hätte man die Ansprache des Kandidaten an mögliche Wähler jedoch wohl ebenso schlecht, wie die seiner „Kameradinnen und Kameraden“. Die Gegendemonstranten pfiffen und grölten, skandierten Parolen, warfen zuweilen vereinzelt mit Obst und Gemüse auf das etwas verloren wirkende Häufchen der NPD. Erstaunlicherweise lieferte Händelkes als „Landeschulungsleiterin“ keinen Redebeitrag ab. Die junge Frau wirkte in einem äußerst gewagten Erscheinungsbild – mit Nieten besetztes Lederhalsband, ein Top, ausgefranster Jeansminirock, oberschenkelfreie Overkneestrümpfe und Lederstiefel – allerdings auch nicht zwingend wie das von Anstand, Zucht und Ordnung geprägte Idealbild einer Frau oder eines „Mädel“ in jenen historischen Tagen, die die NPD befürwortet.

Die rechtsextreme Partei hatte ihre Kundgebung von 10 bis 12 Uhr angemeldet. Ihr Lautsprecherwagen aus Neuss und mancher angereiste Anhänger trafen jedoch verspätet ein, um zirka 10.40 Uhr konnte die Kundgebung daher am Samstagmorgen erst beginnen. Und gegen 11.30 Uhr packte die braune Reisegruppe unter dem Jubel der Gegendemonstranten schon wieder ein. Bei der Abreise kam es dann fast zu Schlägereien zwischen NPD-Leuten und Cremer auf der einen sowie die Abfahrt des Lautsprecherwagens blockierenden Antifaschisten auf der gegnerischen Seite. Die Polizei musste eingreifen und beendete die Rangelei recht flott.

Kurzerhand packten die Ordnungshüter die NPD-Leute also in zwei Streifenwagen und ein Zivilfahrzeug des Staatsschutzes und chauffierten sie außerhalb der „Gefahrenzone“. Erst danach konnten die NPD-Kader weiter nach Viersen reisen. Auch dort hetzten sie  am Samstag unter dem Deckmantel der örtlichen Bürgermeisterwahl gegen unter anderem Asylsuchende. Laut Lokalpresse demonstrierten bei den beiden Kundgebungen in Viersen insgesamt rund 1.000 Menschen gegen die unterdessen 14 NPD-Leute.

Landeschef Cremer, der selbst als Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters in Bochum antritt, blieb diesbezüglich bei Facebook denn auch eher sachlich und postete, dass eine der Kundgebungen in Viersen „läuft“. Wie wenig es indes bei alldem um Bürgermeisterwahlkampf ging, dürfte ein Tweet bei Twitter zeigen, den Cremer vor den Kundgebungen in Geilenkirchen und Viersen postete. Er werde bei den Aktionen in den beiden Städten „unsere OB-Kandidaten […] unterstützen“. Tatsächlich werden in den Orten am 13. September aber nur Bürgermeister gewählt, keine OB (Oberbürgermeister). (mik)