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Verfahren nach Angriff auf ACU in Pforzheim eingestellt

Aachen. Heute hat das Amtsgericht Aachen ein Verfahren gegen drei junge Männer eingestellt, die an einem Angriff auf Vertreter der „Aachen Ultras“ (ACU) beteiligt gewesen sein sollten. Der Vorfall trug sich Ende 2012 auf einem Rastplatz in Pforzheim zu und war Teil eines seit Jahren schwelenden „Fan-Kriegs“ (Lokalpresse) zwischen rechtslastigen Anhängern der „Karlsbande Ultras“ (KBU) sowie den antirassistischen ACU. Zeugen konnten in dem Prozess offenbar die Angeklagten nicht eindeutig genug belasten.

Dem Trio aus dem KBU-Umfeld war Landfriedensbruch, versuchte gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung vorgeworfen worden. Bei dem Prozess vor dem Amtsgericht ging es seit heute Morgen um einen Vorfall im November 2012. Nach einer Reihe von Angriffen durch Personen aus dem KBU-Umfeld und rechtsgerichteten Hooligans gegen die ACU, unter anderem im Dezember 2011 auf dem Tivoli und im August 2012 in Saarbrücken war es auch auf einem Rastplatz in Pforzheim zu einem Angriff auf ACU-Vertreter gekommen. Alemannia Aachen verhängte daraufhin ein befristetes „Aufenthaltsbereichsverbot“ für das Umfeld des Tivolis gegen Beteiligte und Zaungäste dieses Angriffs.

Die drei Angeklagten sollen der KBU angehört oder zu ihrem engen Umfeld gehört haben. Insgesamt griffen am 17. November 2012 mehrere Personen aus einem Reisebus der KBU heraus einen PKW mit Mitgliedern der ACU an. Der Vorfall ereignete sich auf einem Rastplatz der Autobahn 8 bei Pforzheim nach einem Auswärtsspiel von Alemannia Aachen gegen die Zweite Mannschaft des VfB Stuttgart. Polizeisprecher Paul Kemen sprach seinerzeit von einem „weiteren Übergriff“ und „vorläufigen Höhepunkt eines länger andauernden Streites innerhalb zweier Fangruppierungen von Alemannia Aachen“.

Laut Behördeninformationen kurz nach dem Vorfall traf an jenem Samstag gegen 17 Uhr ein mit Mitgliedern der KBU besetzter Reisebus auf einen PKW mit Mitgliedern der ACU. Insgesamt saßen in dem Auto drei junge Männer und zwei Frauen. Nach Angaben von Zeugen stürmte sodann ein Großteil der Insassen des KBU-Busses auf den PKW zu. Der Fahrer, der – sagte Kemen seinerzeit – „das Unheil erkannte“, habe vergeblich versucht abzufahren und zu flüchten. Die Angreifer hätten jedoch durch Tritte und Flaschenwürfe das Auto erheblich beschädigt und die Windschutzscheibe zerstört.

Verletzt worden sei zwar niemand, teilte Kemen damals mit, am PKW sei jedoch erheblicher Sachschaden entstanden. Die Angegriffenen seien dann mit dem beschädigten Auto zur nächsten Polizeidienststelle gefahren und hätten dort den Sachverhalt erklärt. Um weitere Auseinandersetzungen zu unterbinden, sei „eine Begleitung des in den Niederlanden angemieteten Reisebusses durch insgesamt drei Bundesländer für erforderlich gehalten und organisiert“ worden durch die Polizei, so Kemen im November 2012. Meint: der Bus wurde von Baden-Württemberg aus von einem Aufgebot der Ordnungshüter eskortiert.

Kurz vor 23 Uhr nahm die Aachener Polizei den Bus dann am 17. November 2012 am Rastplatz Aachener-Land in Empfang und leitete ihn bis zum Polizeipräsidium. In Bereitschaft gehaltene Polizisten stellten dann von allen 46 Businsassen die Personalien fest. Dabei waren laut Kemen zwölf Insassen den Behörden schon aus der „Datei Gewalttäter Sport“ her bekannt oder wurden als gewalttätige Problemfans eingestuft. Gegen alle Insassen hatte die Staatsanwaltschaft in Pforzheim seinerzeit ein Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruch und Sachbeschädigung eingeleitet.

Der Prozess gegen die drei jungen Männer heute in Aachen war ursprünglich auf drei Tage terminiert worden. Da einer der Angeklagten als Heranwachsender galt, fand er wie bei anderen Jugendverfahren am Heimatort Aachen und nicht am Tatort statt. Überraschend war Mitte der Woche zudem bekannt geworden, dass das ursprünglich als öffentlich geltende Verfahren zudem durch das Gericht als nicht öffentlich eingestuft worden war.

Anlass dafür war offenbar ein Antrag. Der Fall, der seinerzeit großes mediales Aufsehen erregt hatte, wurde also hinter verschlossenen Türen verhandelt, kritische Beobachter und Medienvertreter waren somit ausgeschlossen. Eine Gerichtssprecherin teilte auf Anfrage lediglich mit, dass das Verfahren wegen Geringfügigkeit in zwei Fällen unter Auflage der Zahlung einer Geldbuße (je 300 Euro) und in einem Fall ohne Auflagen eingestellt worden sei. Offenbar hatten die gehörten Zeugen, darunter auch die Opfer der damaligen Attacke, keinen der Angeklagten mit der für das Gericht nötigen Sicherheit belasten können. (mik)