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4000 Menschen setzten Zeichen für Toleranz

Aachen. Am Ende stand trotz des teils starken Regens ein deutliches Zeichen: Statt der im Vorfeld erhofften mindestens 1.000 Kerzen, die den Katschhof ein wenig in ein wärmendes Licht tauchen sollten als Zeichen für ein friedliches Miteinander aller Kulturen und Religionen, senkten die Menschen teilweise ihre Regenschirme – und weitaus mehr brennende Kerzen wurden von den rund 4.000 Teilnehmern der Kundgebung in die Höhe gereckt. 

Unter dem Motto „Aachen steht zusammen!“ fand am Sonntag eine Demonstration für Vielfalt sowie das Miteinander der Kulturen und Religionen statt. Die Veranstaltung richtete sich gegen Intoleranz, Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und jede Form von Gewalt und Terror. Oberbürgermeister Marcel Philipp hatte Tage zuvor angekündigt: „Nach den schrecklichen Anschlägen in Paris wollen wir in Aachen mit dieser Gedenkstunde das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen in unserer Stadt und gleichzeitig unsere Betroffenheit demonstrieren.“

Rund 4000 Menschen setzten auf dem Katschhof ein Zeichen für ein demokratisches und tolerantes Zusammenleben. Foto: Michael Klarmann

Vor den rund 4.000 Menschen – darunter auch Lokalpolitiker, Behördenvertreter, Geistliche und Künstler – mahnte Oberbürgermeister Philipp am Sonntagabend in einer Ansprache, angesichts islamistischen Terrors und fremdenfeindlicher Demonstrationen führe man aktuell in der Gesellschaft eine „finstere Debatte“. Diese setze auf Ab- und Ausgrenzung und wolle einen „Keil in die Gesellschaft treiben“. Diese indes könne angesichts all dessen nur bestehen, wenn alle friedliebenden Kräfte beisammen stünden und einander achteten. 

Zugleich, sagte der Oberbürgermeister, müssten alle gemeinsam grundlegende Werte und Rechte wie die Meinungsfreiheit verteidigen. Unerträglich seien nicht nur feiger Terror und Gewalt, sondern auch Judenhass und Islamfeindlichkeit, sagte der OB während der Gedenkstunde. Für all das dürfe in Aachen jedoch kein Platz sein, und um das zu symbolisieren habe man sich auf dem Katschhof versammelt. „Aachen steht zusammen!“, rief Philipp den Menschen zu und erntete dafür starken Applaus. 

Vorangegangen war am Nachmittag das fünfte Aachener Friedensmahl der Religionen im Alten Kurhaus, organisiert durch den Arbeitskreis „Dialog der Religionen“. Dem Arbeitskreis gehören die sieben Glaubensrichtungen Aleviten, Baha’i, Buddhisten, Christen, Hindus, Juden und Muslime an. Vom Friedensmahl im Ballsaal aus waren über 1.000 Menschen in einem Friedensmarsch über Großkölnstraße und Markt zum Katschhof gezogen.  

Das Friedenslicht, das die Gespräche bereits während des Friedensmahls begleitete, brachten die Teilnehmenden für die Gedenkstunde auf dem Katschhof mit, wo Vertreterinnen und Vertreter des „Dialogs der Religionen“ ihre Friedensgrüße und kurzen Gebete verkündeten und sodann das Friedenslicht bei nasskaltem Wetter symbolisch an die Menschen auf dem Katschhof weiter gaben.

Abdurrahman Kol sprach bei der Gedenkstunde als Vertreter aller hiesigen islamischen Gemeinden. Kol verurteilte Terror, Mord und Krieg, zugleich betonte er, dass in Aachen kein Platz sei für Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Antiislamismus. „Wir lieben unsere Stadt, natürlich mit euch allen zusammen“, rief der Muslim den Menschen zu. Rabbiner Max Bohrer von der Jüdischen Gemeinde in Aachen sagte, er sei beeindruckt und berührt von der Veranstaltung. Nun gehe es weiter darum, den Frieden in Aachen zu leben und zu bewahren.

Für die Christen sprach Superintendent Hans-Peter Bruckhoff, der sowohl das in Aachen gelebte friedliche „Band zwischen glaubenden Menschen aller Religionen“ lobte, aber auch die nicht gläubigen Menschen bei der Gedenkstunde als „Brüder und Schwestern“ nicht im religiösen Sinne, wiewohl im Geiste des Humanismus in dieses „Band“ mit einbezog. Egal, ob man religiös sei oder nicht, egal welchem Glauben Menschen folgten, sie verbinde das, was im Römerbrief zu lesen sei: „Überwinde das Böse mit dem Guten“, zitierte und mahnte der Superintendent.

Begleitet wurde die Kundgebung von einer kurzen Lesung der Schauspielerin Katja Zinsmeister (Theater Aachen). Musikalisch umrahmt wurden die Redebeiträge von dem Weltmusiker Manfred Leuchter und dessen palästinensischem Freund Mohamed Najem, der aus Paris angereist war, sowie dem Aachener Mundartsänger Jupp Ebert. (mik)