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Das „ChaOSTheater“ bringt „American History X“ auf die Bühne

Aachen. Hass und Rassismus sind keine Wegbegleiter, die das Zusammenleben oder gar die Zukunft positiv beeinflussen. Denn irgendwann, kurz vor dem mörderischen Finale, weiß auch Derek (Armin Schoof): „Ich bin es leid, wütend zu sein, ich bin es einfach leid!“ Wenige Minuten später liegt sein Bruder Danny (Tobias Tillmann) erschossen auf dem Boden, und dessen Mörder, ein Schwarzer, liegt daneben. Das ist dann eine der wenigen Szenen, in denen Regisseur Reza Jafari sich etwas von der Filmvorlage gelöst hat.

Das „ChaOSTheater“ feierte am Freitag die Premiere des Stücks „American History X“. Erzählt wird, ebenso wie im gleichnamigen Film nach dem Drehbuch von David McKenna, die Geschichte zweier Brüder in der amerikanischen Kleinstadt Venice Beach. Der ältere Bruder Derek, die frühere Leitfigur und ein Held der örtlichen Neonazi-Szene, wird aus dem Gefängnis entlassen, nachdem er dort eine dreijährige Haftstrafe wegen Mordes an zwei schwarzen Autodieben verbüßt hat.

Das "ChaOSTheater" bringt unter der Regie von Reza Jafari das Stück "American History X" auf die Bühne. Foto: M. Klarmann

Als er zu seiner Familie zurückkehrt, muss er feststellen, dass sein jüngerer Bruder mittlerweile fest in der neonazistischen, extrem rassistischen und militanten Szene verankert ist. Und war es zuerst Derek gewesen, der den rassistischen Vater und Familientyrannen nach dessen Tod durch einen Schwarzen kopierte und körperlich oder verbal auf die liberale Mutter und eher linksgerichtete Schwester eindrosch, bemüht sich nun Danny, seinem Vater und auch jenem früheren Derek nachzueifern. Doch der Aussteiger will seinen Bruder aus der Szene lösen, der dunkelhäutige Lehrer Sweeney steht ihm dabei zur Seite.

Angelehnt ist es an den Film "American History X" aus dem Jahr 1998, der die US-amerikanische Neonazi-Szene zum Thema hat.  Foto: M. Klarmann

Das Stück nach dem Buch von Reza Jafari und Leili Novi weicht in einigen Passagen vom Film leicht ab und folgt auch nicht stringent dessen Ablauf. Das Publikum gewinnt dessen ungeachtet in Rückblenden Einblicke in die Vergangenheit der beiden Brüder, in ihre Familiengeschichte, ihren Weg in den Rechtsextremismus und Dereks prägende Erfahrungen im Gefängnis. Dort rettet ihm, man muss es wohl so drastisch ausdrücken, ein schwarzer Mitgefangener förmlich den Arsch – und das Leben. Allerdings schützt dieser ihn – anfangs – nicht nur vor den Schwarzen, sondern nach seinem Wandel schützen diese Schwarzen Derek vor Mitgliedern einer weißen und rassistischen Knastgang.

Das „ChaOSTheater“ besteht aus einer Gruppe theaterbegeisterter Menschen verschiedener Altersgruppen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft. Initiiert als Projekt der Offenen Tür Josefshaus, ist es beheimatet in der Pfarre St. Josef und Fronleichnam und hat einen engen Bezug zum Aachener Ostviertel. Die Schar der Mitwirkenden reicht von professionellen Theater- und Kulturschaffenden über semiprofessionelle Schauspieler bis hin zu Laien in mancher Nebenrolle.

So wirkt denn auch manche Kleinigkeit in dem Stück nicht immer perfekt, wobei genau das auch den Charme des „ChaOSTheaters“ ausmacht in seiner ihm eigenen Mischung aus Bühne und Sozialprojekt. Und dennoch gelingt es gerade dem Gros der Schauspieler, die seit Jahren ehrenamtlich aktiv sind und große Teile ihrer Freizeit für die Proben und Aufführungen opfern – etwa Schoof –, professionell und authentisch zu spielen oder aber ihre Figuren passgenau zu überzeichnen.

Sebastian Miß in seiner Rolle als Seth mimt zwar den stumpfen, dauerfressenden und saufenden Glatzkopf so realsatirisch, dass man darüber manchmal herzhaft lachen muss. Letztlich aber bleiben einem genau diese Lacher im Halse stecken, den Seth ist zwar ein stumpfsinniger Blödmann, jedoch extrem rassistisch, aggressiv und bewaffnet. Unter den Fittichen des aalglatten, schmierigen und intellektuellen Neonazi-Führers Cameron bleibt Seth trotz seiner Idiotie – oder vielleicht gerade deswegen? – dessen Mensch gewordener Pitbull und SA-Mann fürs Grobe.

Gefördert wird das Theaterprojekt auch vom Lokalen Aktionsplan  (LAP) gegen Rechtsextremismus in Aachen. Weitere Aufführungen finden statt am 29. und 31. Oktober sowie am 2., 5., 19., 21. und 23. November jeweils um 20 Uhr im Bürgerzentrum St. Fronleichnam (Schleswigstraße 15). Tickets sind erhältlich in der Buchhandlung Schmetz am Dom, in der Bücherinsel (St.-Josefs-Platz 1), unter der E-Mail-Adresse This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. sowie an der Abendkasse. Das Stück ist geeignet für Zuschauer ab 16 Jahre, der Eintritt kostet zehn Euro. (mik)